sigiliu-poza-micaDie Stadt Großwardein hat eine ausgezeichnete geografische Lage, beim Zusammenstoß der westlichen Vorkarpaten mit der Tiefebene, an Schnellkreisch, die ausschlaggebend schon ab dem Mittelalter für ein intensives Wirtshaftsleben  war. Die vorige Behauptung kann man leicht durch die ältesten Urkunden der Stadt begründen, die häufig Zollämter aus der Stadt erwähnnen. Die regen Wirtschafts- und Handelstätigkeiten sind urkundlich durch die alten, regelmäßigen Märkte bewiesen, wie z.B. der Markt vom Ende des 13. Jhr., zerstört von Roland, dem Sohn Thomas vom Geschlecht Borsa oder der Markt im Jahre 1373, der allerdings noch älter sein sollte.

Das Errichten im Mittelalter einiger ehrgeizigen Bauwerke (die Steinfestung, die Kathedrale), sowie die günstige Lage der Stadt, an der Kreuzung einiger wichtiger Handelswege nahe der ungarischen Tiefebene, waren vom großen Vorteil für das Beleben der Wirtschaft in der Stadt. Als erste Folge, sind rasch viele Werkstätte erschienen, wo Stein, Holz und Eisen oder andere Metalle bearbeitet wurden. Paralell dazu haben sich auch die Handelstätigkeiten entwickelt, abhängig von den lokalen Zünften, leicht beweisbar durch die vielen Zollurkunden und der Vermehrung der Märkte.

sigiliu-2-poza-micaDas Bestehen vielfältiger Wirtschaftstätigkeiten in der Stadt ist urkundlich nachvollziebar ab der 2. Hälfte des 16. Jhr. durch die Existenz der Zünfte. Jede einzelne Zunft hatte andere Tätigkeitsbereiche. Unter den ältesten Zünften der Stadt kann man die Eisenschmiede erwähnen, in den Jahren 1560-1565. Damals hat der Bürgemeister ihnen auch den Betriebszustand anerkannt. Nachträglich wurden die Gemeinschaften der Schlößer, Händler und der Sattler genannt. Am Anfang des kommenden Jahrhunderts kommen die Schneider und die Kürschner dazu.

Die türkisch-osmanische Herrschaft in Großwardein, zwischen 1660-1692, die nur noch mangelhaft aus den bereits recherchierten Urkunden bekannt ist, scheint doch günstig für die Entwicklung einiger Industriebereiche zu sein. Nach der Übernahme der Gegend von den Habsburgern, nach einer langen Belagerung der Festung in den Jahren 1691-1692, vermehrten sich in der Stadt die Wirtschaftsaktivitäten, die ähnliche Gewichtung in der Ökonomie wie die Landwirtschft hatten.

sigiliu-3-poza-micaBeispielweise, gibt es ein Dokument aus 1722, in dem die Preise für unterschiedliche Produkte festgelegt wurden. In der Urkunde werden 15 einheimische Handwerke aufgezählt: Metzgerei, Schusterei, Mischschneiderei, Marktschneiderei, Bauernschneiderei, Kürschnerei, Sattlerei, Seiferei, Knöferei, Seilerei, Schlößerei, Wagnerei, Tischlerei, Goldschmiede,  Faßbinderei. In den nächsten Jahren sind auch andere Bereiche dazu gekommen: Verarbeiten des Leders, Schuhherstellung, Sieberzeugung. Nebenbei gab es eine breite Palette von anderen Aktivitäten, die man als tägliche Dienstleistungserbringung beschreiben kann: Bäcker, Müller, Töpfer, Schreiner, Eisenschmiede, Uhrmacher, Drehmaschinenarbeiter, Armbrusthälter.

Ab der 2. Hälfte des 18. Jhr. wird der Übergang von den kleinen Ateliers zur Industrialisierung beschleunigt. Die Zünften waren weiterhin aktiv, aber sie wurden allmählich Vereine und die Handwerker wurden von den Betrieben und Fabriken aufgenommen (besonders nach dem Jahre 1860).

fabrica-dreher-poza-micaEs gab viele Betriebe damals, erzeugt wurden Landwirtschaftsmaschinen (Penger und Rozsaly), Backstein (am Ende des 19. Jhr. waren 8 Backsteinfabriken in Betrieb), Alkohol (Bier: Dreher, Hagenmacher, Spiritus-Leder und Kalman, Moskovits Mor, Wein: Füschl, u.a.) Schuhwerke und Stiefel (Mokovits Farkas), Düngemittel (Betrieb Oradea Mare), Seife (Rothbart Adolf Ede), Glaswaren und Porzellan (Deutsch K.I.) usw.

hala-comerciala-poza-micaLaut einer Zählung aus dem Jahre 1900, gab es in Großwardein 2408 Betriebe, wo 2642 Arbeiter, 4046 Hilfskräfte und 994 Lehrlinge erwerbstätig waren. Drei Jahrzehnte später, gemäß einer anderen Zählung, die mitte der globalen Witschaftskrise durchgeführt worden ist,  wurden 2735 Industrie- und Handelsbetriebe gezählt. In der Reihenfolge der Wichtigkeit und Häufigkeit sind folgende Bereiche erwähnenswert: Lebensmittel-, Chemie-, Textil-, Buchdruckerei-, Baumaterial-, Eisenverhütung-, Maschninenbau-, Pelzmantel-, Schuhwerk- und Holzverarbeitungsindustrie.

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Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges und der Machtübernahme der Kommunisten haben sich die ökonomischen Umstände grundsätzlich verändert. Am 11. Juni 1948 wurde die Enteignung der Privatgüter und deren Verstaatlichung begonnen. In der ersten Etappe wurden alle Betriebe und Werkstätte verstaatlicht, nachträglich hatten dasselbe Schicksal auch die Krankenhäuser, Apotheken, Kinos, Gasthäuser, Geschäfte, Läden, Wohnungen. Es wurden anschließend jährliche Produktionspläne vorgeschrieben (für 1949 und 1950) und danach fünfjährige Produktionspläne. Gleichzeitig hat man versucht, die alten Produktionsanlagen zu modernisieren und neue Abteilungen und Produktionseinheiten ins Leben zu rufen. Es wurde einen besonderen Wert auf die Maschinenbauindustrie gelegt, auf dem Energiebreich, der Schwerindustrie ( in 1962 begann der Bau des Betriebs Alumina) und der Chemieindustrie (die vorkommunistischen Einheiten wurden nach dem 1948 in zwei riesigen Werke vereinigt, Sinteza und Transilvania), der Produktion der Werkzeugmaschinen (mehrere Metallverarbeitungwerkstätten wurden nach 1945 in die Phoebus AG zusammengelegt, die nach der Enteignung  den Namen Infratirea bekamm).

fabrica--micaAm Anfang der 60er Jahre wurden die Grundlagen des Industrieviertels im Westteil der Stadt gelegt. In der Anlage gab es insgesamt 12 Produktionsbereiche, darunter waren die wichtigsten Betriebe fur : Holzverarbeitung, Baumaterialien, Verkehrmittel, Zuckerfabrik, u.a. In derselbern Zeitspanne wurde auch die Einheit Electrocentrale gegrundet, ein wichtiger Betrieb zur Versorgung mit Fernheizung der Industrieanlagen und der Plattenbautenwohnungen.

Ein Industriezweig mit einer rasanten Entwicklung in dieser Zeit war die Schuhproduktion, mit die Betrieben Solidaritatea, Arta, Crisul, aber auch die Textilienindustrie u.a. Die Lebensmittelindustrie war durch Fabriken vertreten wo Milch, Fleisch u.a. industriell verarbeitet wurden oder wo Zucker, Öl, Dosen mit Fleisch oder Gemüse hergestellt wurden.

Die gezwungene Industrialisierung und die Ausführung der meisten Industrie- und Landwirtschaftsprodukte, die im lokalen Bereich erzeugt wurden, hat zu einer Verschlechterung der Lebensqualität ab  1970 geführt. Die Krise hat alle Bereiche des öffentlichen Lebens landesweit betroffen.

Nach der Wende in 1989, hat das Industrieleben von Großwardein mannigfaltige Umstellungen erlebt. In den 90ern sind viele Betriebe gescheitert oder privatisiert worden, teilweise bankrott gegangen aber gleichzeitg sind viele neue Firmen mit unsterschiedlichen Aktivitäten erschienen.