istorie3Mittelalter

Mittelalter: die gehaltreichsten Informationen in Verbindung mit der Geschichte dieser Stadt, wie auch des Kreises Bihor in diesem Zeitabschnitt, stammen aus der “Chronik des Anonymus”, aus der Chronik von Simon de Keza, aus dem Verzeichnis von Großwardein, den “Carmen Miserabile” und den Statuten des Kapitels von Großwardein. Laut einer älteren Quelle, der Bilder-Chronik von Wien (verfaßt in der zweiten Hälfte des XIV. Jh.), hat der König Ladislaus I der Heilige (1077-1095) „in der Pfarrei der Festung Bihor, zwischen den Flüssen Kreisch, während einer Jagd, einen Ort gefunden wo er, auf Ansporn der Engel, beschlossen hat, zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria ein Kloster zu errichten, und hat diesen Ort Varad genannt”. Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt ist im Jahre 1113 vermerkt worden, in einer Urkunde der Benediktinerabtei Zobor. Die Umstände, welche zur ersten Erwähnung des Ortsnamens Oradea (Großwardein, Varadinum) beitrugen, waren die wiederholten und zerstörenden Streifzüge des böhmischen Fürsten Svatopluk, als Verbündeter des deutschen Kaisers Heinrich IV, gegen zahlreiche Siedlungen im Waag- und Neutra-Tal (in der jetzigen Slowakei).

Gegen Ende der Urkunde werden Namen von Zeugen angeführt, die über den Verlauf der Ereignisse sprechen konnten, darunter der Bischof Syxtus Varadiensis und der Graf Saul von Bychar. Zum Unterschied von anderen Städten des Mittelalters, deren Entstehen auf eine Gründung zurückgeht, war Großwardein das Ergebnis einer sich über mehrere Jahrhunderte erstreckenden Entwicklung, mit dem Gipfelpunkt gegen Mitte des XIX. Jh. des Zusammenwachsens aller um die Burg herum entstandenen Siedlungen (Olosig, Oraşul Nou/Neustadt, Subcetate/Stadtmitte und Velenţa) in einen einzigen Kernpunkt. Die Entwicklung der Stadt wurde stark begünstigt durch das Errichten des Klosters, das später zum Sitz des Kirchenrates bestehend aus 24 Priestern aufwachsen sollte. Derselbe König Ladislaus wird hier ein Bistum gründen, und hundert Jahre nach seinem Tod (am 25. Juli 1095) wurde er endlich in dem auf seine Anordnung errichteten Kloster in Großwardein zur Ruhe gelegt (etwa um das Jahr 1134). Seine Heiligsprechung am 27. Juni 1192 war der Ausgangspunkt eines raschen Anstiegs der in der Stadt anwesenden Kirchenbehörden, mit dem Anstieg der sozialen und wirtschaftlichen Schwergewichts der mit dem Kloster als Mittelpunkt rund um die Burg angelegten Siedlungen als Folgeerscheinung. Das katholische Bistum zu Großwardein hat automatisch einen besonderen Wohlstand erlebt und hat sich den Kirchenrat unterordnet. Seine Einkommen kamen größtenteils aus Zehnten, aus der Verwaltung der Bergwerke in der Gegend von Beiuș, aus zahlreichen Spenden, usw. Ein bedeutendes Ereignis für die Geschichte der Stadt war der große Mongolenüberfall zwischen den Jahren 1241-1242, als ein Großteil der Eindringlinge die Burg von Großwardein stürmte und belagerte, und danach auch eroberte und in Brand steckte. Dieses Ereignis ist wohlbekannt dank der Schriften des italienischen Mönches Rogerius, der damals in Großwardein zugegen war und später die “Carmen Miserabile” (Jammergesang) verfaßte.

istorie2Wegen der großen Verluste an Habgut und Menschenleben hat das Königtum nach dem Rückzug der mongolischen Eindringlinge massive Kolonisierungen rund um das Kloster und die Burg gefördert, sodaß mehrere Siedlungen entstanden: Velența (Veneția oder Vicus Venetia), zum ersten Mal bezeugt in 1291-1294, östlich von der Burg gelegen; Vicus Zombathely, westlich der eigentlichen Stadt, erstmalig bezeugt in 1326; Villa Hydkwzheleus (Villa Sancti Laurentii oder Szent Lörincz), lag südöstlich von der Burg und war urkundlich bezeugt in 1273; Bolonia oder Villa Bon, zum Süd-Westen der Burg und zum Osten des gegenwärtigen Friedhofs der Stadt, bezeugt in den Jahren 1291-1294; Olosig, gelegen auf dem rechten Ufer der Kreisch, bezeugt in 1215 unter dem Namen Villa Latinorum Varadiensium; Sfântul Petru (Sankt Peter), östllich von Olosig, zwischen der Kreisch und den Hügeln von Großwardein, urkündlich erwähnt in 1374. Daneben erschienen auch einige Satellitsiedlungen, die später auch in die Stadt eingezogen werden, u.zw.: Episcopia Bihor (Bihor Bistum – aus den ältesten Informationen von 1273 über diese Siedlung ergibt es sich, daß sie ein gemeinsames Besitztum des Bischofs von Großwardein und des Kirchenrats war), Sântion (Sankt Johann – zum Westen der Stadt, bezeugt in 1215), Ioșia (zum Süd-Westen, erwähnt in 1261 unter dem Namen Ewsy) und Seleuș (Villa Sceleus, bezeugt in 1213).

Ab Ende des XV. Jh. beginnt die Stadt sich mehreren königlichen Privilegen zu erfreuen, die sich in großem Maße in seiner Gesamtentwickung widerspiegeln werden. Zum ersten kommt die Vergütung infolge des geschwinden türkischen Überfalls gegen die Stadt vom 7. Februar 1474, als die Armeen von Ali Oglu Malcoch, Bey von Semendria, die Stadt Großwardein angriffen als Mathias Corvinus gerade aus dem Lande abwesend war. Da die Stadt in ziemlich großen Maße zerstört worden war, beschloß der König deren Wiederbevölkerung, um deren normalen Zustand schnellstmöglich wieder herzustellen; deswegen erteilte er am 16. April 1474 den Bürgern von Olosig, Vadkert (Sankt Laurentius) und Velența den Vorteil des Steuererlasses für die Bezahlung des “tricesimo” (Zollsteuer für die in die Stadt eingeführten Waren) über das gesamte ungarische Gebiet und für alle Arten von Erzeugnissen. Später wird diese Urkunde neu bekräftigt von König Ferdinand I von Habsburg am 18. Mai 1553.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wird ebenfals von dem Aufblühen des Kulturlebens begleitet, offensichtlich insbesondere gleichzeitig mit dem Vordringen der erstem Keime des Humanismus und der Renaissance, die bereits zur Zeit von Karl Robert von Anjou und Ludwig dem Großen aus Italien gebracht wurden. Die Renaissance nach italienischer Art wurde in Großwardein stark gefördert auch weil einige der Bischöfe und hohen Priester der Katholischen Kirche aus der Italienischen Halbinsel stammten. Besonders bemerkenswert unter diesen ist Andrea Scolari (1409-1426), betrachtet als „eine perfekte Verkörperung des Geistes der Renaissance”. Während seines Bischofsamtes hat er eine große Anzahl italienischer Künstler zu seinem Hof herangezogen, er hat Kapellen bauen und Altare errichten lassen, er hat einen Raum für die Gründung einer Bibliothek eingerichtet, usw. Seine reichhaltige Tätigkeit wird erfolgreich von seinen unmittelbaren Nachfolgern weitergeführt, unter denen Ioan Vitez von Zredna hervorsteht als „die eindrucksvollste Persönlichkeit der Renaissance in Zentraleuropa”, unter anderem auch als Mentor der ersten Schritte des Matthias Corvinus. Er erfreute sich der Freundschaft des großen Humanisten Enea Silvio Piccolomini (1405-1464), der spätere Papst Pius II; außer kulturellem Ansehen erringt Großwardein zu jener Zeit auch den Stand eines bedeutenden Zentrums der Wissenschaften, mit dem Beweis, z.B., daß der berühmte Astronom Georg Peuerbach (1423-1461) hier eine Sternwarte errichtete und daß der Null-Längsgrad in die Stadt an den Ufern der Schnellen Kreisch verlegt wurde, aufgrund dessen dann die Zeit des Eintritts der Sonnen- und Mondfinsternisse berechnet wird (eigetragen in die sogenannten „Großwardein-Tabellen” – Tabulas Varadienses). Ein letzter großer Bischof von Großwardein, vor dem Triumph der Reform, war Giorgio Martinuzzi (1534-1551). Serbe väterlicherseits und aus einer italienischen Mutter, hatte er eine große Bewunderung für die Architektur der Renaissance und eine außerordentlich energische und zugleich umstrittene Natur. Sein Hinscheiden in 1551 kam gleichzeitig mit dem Ende der Blütezeit Großwardeins, die schon seit der zweiten Hälfte des XIV. Jh. begonnen  hatte.

istorie6Anfangs des XVI. Jh. wurde Großwardeins Geschichte von einem inmitten Europas vorgekommenen Ereignis geprägt, nämlich von der Schlacht bei Mohács in 1526, infolge welcher die türkischen Truppen einen überwältigenden Sieg über die Armeen des ungarischen Königreichs errangen (der König Ludwig II selbst fiel auf dem Schlachtfeld). Wegen der Niederlage von Mohács wurde der Mittelteil des Kontinentes immer mehr zu einem Streitgegenstand zwischen Österreich und der Türkei, und dabei verstärkte auch das Wojewodat Transsilvaniens sein Bestreben zur Unabhängigkeit. Ferdinand von Habsburg, der sich als König von Ungarn gekrönt hatte, ernannte in 1526 Ladislaus von Mazedonien als Bischof von Großwardein. Dieser konnte aber sein Amt nicht besetzen, da die Stadt in den Händen von Johann Zapolya, dem Konkurrenten von Ferdinand, gefallen war. Erst in 1528 wurde die Stadt von den kaiserlichen Truppen erobert, aber die Burg wollte sich nicht ergeben. Nach  Jahrzehntlangen Streitigkeiten wurde am 24. Februar 1538 in Großwardein der Frieden zwischen Ferdinand und Zapolya unterzeichnet, mit der Vermittlung von Georg Martinuzzi. Laut dieses Abkommens wurde für Zapolya der Titel als König von Ungarn, Kroatien und Dalmatien lebenslänglich gewährt, und erst nach seinem Tode sollten die angeführten Provinzen in Ferdinands Besitz übergehen. Der unerwartet frühe Tod von Zapolya, in 1540, eröffnete wieder den Kampf um die Krone. Weil Zapolyas Nachfolger, Johann Sigismund, noch minderjährig war, wurde eine Regentschaft, bestehend aus der Königin Isabella und drei Ratgebern, darunter auch Martinuzzi, eingestellt.

Da sich das Wojewodat von Transsilvanien nach 1541 als unabhängiges Fürstentum einrichtete, wurden Großwardein und Bihor, genau wie alle anderen westlichen Komitate, berufen, sich entweder für den Anschluß an Ferdinands Habsburger-Ungarn, oder an das neue Fürstentum zu entscheiden. Obwohl ursprünglich, in 1542, in dem partiellen Landtag von Großwardein, diese Komitate sich als Anhänger der Habsburger erklärt hatten, beschlossen sie trotzdem letztendlich in 1544, nach etlichen Verzögerungen, ihren Anschluß an Siebenbürgen.

Die immer größere Macht des Osmanischen Reiches im Laufe des XVI. Jh. wird die Geschichte Großwardeins nicht unberührt lassen. Diese Stadt, gelegen an einer wichtigen Straßenkreuzung und begünstigt durch ihre mächtige Festung, war ein viel begehrtes Ziel für den mächtigen Nachbarn im Osten. Im Jahre 1598, z.B., gelangten die Türken bis unter die Mauern der Burg. Die Belagerung dauerte vom 1. Oktober bis zum 3. November, und wurde vereitelt von dem andauernden Herbstregen und den Krankheiten, die im türkischen Lager zu wüten begonnen hatten. Obwohl kurzer Dauer und ohne sein Ziel zu erreichen, führte der türkische Überfall zur fast gänzlichen Zerstörung der Stadt, wie auch des südlichen und zentralen Teils des Komitats Bihor, den die Armeen auf ihrem Weg nach Großwardein durchquert hatten.

istorie5In 1658 richteten die Türken wiederum ihre Aufmerksamkeit in Richtung Großwardein, unter Vorwand der Bestrafung des Fürsten Georg Rákóczi II, welcher in 1657, zur Befriedigung mancher alten ehrgeizigen Pläne seiner Familie, einen Feldzug in Polen unternahm, um den Thron dieses Landes zu erobern. Als Gegenzug, und weil Großwardein sich geweigert hatte, den Treuespruch zu leisten gegenüber Franz Rhédei, dem neuen, von den Türken auferlegten Fürsten, wendeten sich die Türken wiederum gegen die Stadt und umzingelten sie. Sie wurden auch von bedeutenden Tatarentruppen unterstützt, wie auch von einigen moldauischen Gruppen, begleitet von dem Fürsten der Moldau selber und von dem Chronisten Miron Costin. Die Mitte September begonnene Belagerung war kurzer Dauer und endete mit dem Ende desselben Monats, ohne seinen Zweck erfüllt zu haben.

Ein neuer, diesmal erfolgreicher türkischer Überfall gegen die Burg erfolgte im Laufe des Jahres 1660. Die türkischen Truppen, geschätzt auf etwa 45 000 Mann, erreichten Großwardein am 13. Juli, unter dem Befehl des Serdars Köse Ali Pascha. Kurz danach gelang es ihnen, das Wasser aus dem Festungsgraben zu entfernen und die Goldene und Stümmel-Basteien zu sprengen. Ohne konkrete Unterstützung von außen, ohne Proviant und völlig entmutigt, entschieden die nur noch 300 Verteidiger von den ursprünglichen 850 Mann am 27. August 1660 die Festung den Türken zu überlassen. Die türkische Herrschaft über Großwardein erstreckte sich über eine Dauer von 32 Jahren. Die Statuen der ungarischen Herrscher im Inneren der Festung wurden abgerissen, aus den benachbarten Dörfern wurden tausende Bauern herangezogen um den Burggraben zu reinigen und die Brüche in dem Mauern auszubessern, die Stadt wurde neu erbaut, neue Gebäude wurden errichtet, und das Gebiet von Bihor wurde in fünf Sanjaks unterteilt.
Nachdem die Türken unter den Mauern von Wien im Jahre 1683 abgewehrt wurden, folgte eine Reihe weiterer Siege der christlichen (insbesondere österreichischen) Truppen über diejenigen der Ottomanen. Unter diesen Umständen drangen die Österreicher im Sommer des Jahres 1691 bis am Rande von Großwardein ein; sie umzingelten die Stadt und, nach der Erorberung von Olosig, begannen sie die Belagerung der Burg, nachdem sie aber zwei Batterien mit 10 Kanonen und zwei Granatwerfern auf den naheliegenden Hügeln aufgestellt hatten. Die Belagerung zog sich hinaus und vertrieb die Zivilbevölkerung aus der Stadt. Im Winter des Jahresübergangs 1691-1692 wurde die Belagerung schwächer, dann aber mit erneuter Macht im Mai des letzteren Jahres wieder aufgenommen. Mit Hilfe von Brandkugeln gelang es den Österreichern, einen Großteil der Dächer der Gebäude innerhalb der Burg in Brand zu setzen, während die Kanonen von den Hügeln her den Basteien große Schäden zufügten. Am 28. Mai 1692, mit gravierend verringerten Reihen, ohne jegliche Hoffnung auf Hilfe von irgendwo, kapitulierte die türkische Garnison. Der Einmarsch der österreichischen Truppen Anfang Juni in die Burg sollte den Beginn einer neuen Zeit im Dasein der Stadt und, zugleich, die Rückkehr der Verwaltung zu der christlichen Welt in Europa bedeuten.