istorie7Der Neuzeit

Die Kampfhandlungen zwischen den Jahren 1691-1692 setzten die Stadt und deren Nachbarortschaften schweren Anstrengungen aus und verursachten große Schäden, welche sich die neue österreichische Verwaltung auszubessern bemühen wird. Außer der Verfestigung der beschädigten Burgteile, wurde auch die Zählung der noch aufrecht gebliebenen Gebäude vorgenommen (in Olosig wurden 114 Häuser gezählt, von denen nur noch 21 als Wohnung geeignet waren, und in Großwardein und Velența wurde festgestellt, daß kein einziges Gebäude heil geblieben war).

Das Leben der Bewohner wurde wiederum stark beeinträchtigt anläßlich der antihabsburgischen Bewegung zwischen 1703-1711, unter der Führung von Franz Rákóczi II. Die Ortschaften rund um die Burg wurden zu Schlachtfeldern zwischen der kaiserlichen Garnison in der Festung und den Rebellengruppen, und die Burg wurde einer langen Belagerung ausgesetzt. Die Unterzeichnung des Friedens von Sathmar in 1711 wird auch seitens der kaiserlichen Behörden die Anerkennung der Verdienste der Bewohner von Großwardein in der Unterstützung der kaiserlichen Garnison mit sich bringen. Dementsprechend hat Karl VI am 27. November 1712 einen kaiserlichen Erlaß unterzeichnet, wodurch den Bürgern von Großwardein die ihnen vorher zugesprochenen Privilege anerkannt werden, zuzüglich der Berechtigung zu einem eigenen Siegel und Wappen der Stadt.

Das Einstellen der militärischen Zusammenstöße ermöglichte die nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftslebens der Stadt, mit fast gleichmäßig überwiegenden Anteilen der landwirtschaftlichen und nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Übrigens sind in einer Preisliste von 1722, aufgestellt von dem lokalen Stadtrat von Großwardein, nicht weniger als 15 Arten von Handwerkern identifiziert worden: Metzger, Schuster, Hersteller von Bauernmänteln, städtische Schneider, vielseitige Schneider, Kürschner, Sattler, Seifenmacher, Knopfmacher, Seilmacher, Schlosser, Wagner, Tischler, Goldschmiede und Faßbinder.

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Auch in kultureller Hinsicht konnten manche sichtbare Fortschritte vermerkt warden, insbesondere in der zweiten Hälfte des XVIII. und in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts. Ein Großteil davon verdanken wir den Vertretern der Kirche, von denen die Bischöfe Ignatie Darabant und Samuil Vulcan besonders erwähnenswert sind.
Im Kampf um politische und nationale Rechte für die rumänische Bevölkerung aus dem Gebiet von Siebenbürgen macht sich nebst anderen rumänischen Anführern auch der Bischof Ignatie Darabant bemerkt, den viele Wissenschaftler als einen der Verfasser des Dokumentes Supplex Libellus Valachorum betrachten, welcher dem Kaiser Leopold II im März 1791 vorgelegt wurde. Aus dem Hintergrund wird er sich auch beteiligen and das Erstellen und Vorlegen der zweiten Supplex-Urkunde, mit dem Datum 30. März 1792.

Die Ideen der Aufklärung werden in der Stadt an den Ufern der Schnellen Kreisch die Form eines konstanten Bestrebens annehmen für die Organisierung eines möglichst umfassenden Schulensystems, wie auch für das Herausgeben der größtmöglichen Anzahl an in den Schulen benötigten Büchern, oder von wissenschaftlichen Werken von allgemeinem Nutzen. In Übereinstimmung damit erschien zum ersten Mal in dem vorletzten Jahrzehnt des XVIII. Jh. in Großwardein auch eine Lehranstalt höheren Grades, nämlich die Königliche Akademie, gegründet infolge des Vorschlags vom 25. Dezember 1776 des Grafen Károlyi Antal, Direktor des Schulbezirks von Großwardein. Der eigentliche Beginn der Vorlesungen wird vermerkt am 1. November 1780 mit einem Jahrgang für das Lehrfach Philosophie, ergänzt im Jahre 1788 mit Rechtsstudien.

Die Persönlichkeit welche die Entwicklungsrichtung gezeichnet hat für das geistige Leben in Großwardein am Anfang des XIX. Jh. war der griechisch-katholische Bischof Samuil Vulcan (1806-1839). Dieser fuhr energisch fort mit dem Programm zum Gründen von neuen Schulen und zum Drucken einer großen Anzahl von rumänischen Büchern in der Druckerei in Buda, und er sorgte gleichzeitig für die Einrichtung einer Bibliothek mit so vielen Werken wie nur möglich. Außerdem war er ein treuer Mitarbeiter anderer hervorragenden Persönlichkeiten der rumänischen Aufklärung seiner Zeit; unter seinen Mitarbeitern zählen Ioan Corneli, Gheorghe Șincai oder Petru Maior (dessen historischen Werke mit Hilfe des hohen Priestes aus Großwardein gedruckt wurden).

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Die Persönlichkeit welche die Entwicklungsrichtung gezeichnet hat für das geistige Leben in Großwardein am Anfang des XIX. Jh. war der griechisch-katholische Bischof Samuil Vulcan (1806-1839). Dieser fuhr energisch fort mit dem Programm zum Gründen von neuen Schulen und zum Drucken einer großen Anzahl von rumänischen Büchern in der Druckerei in Buda, und er sorgte gleichzeitig für die Einrichtung einer Bibliothek mit so vielen Werken wie nur möglich. Außerdem war er ein treuer Mitarbeiter anderer hervorragenden Persönlichkeiten der rumänischen Aufklärung seiner Zeit; unter seinen Mitarbeitern zählen Ioan Corneli, Gheorghe Șincai oder Petru Maior (dessen historischen Werke mit Hilfe des hohen Priestes aus Großwardein gedruckt wurden).

Die Anfang 1848 in Europa entfesselte revolutionäre Woge hat keineswegs Großwardein gemieden. Es wurden also mehrere Versammlungen des Komitats einberufen, wo neue Verwaltungsleitungen gewählt wurden, die versuchten, die neu getroffenen Beschlüsse einzusetzen, die sich mit dem Problem der Organisierung der Nationalgarde, usw. Beschäftigten. Die spektakuläre Entfaltung der Sachen bewog die Regierungskreise, am 24. August 1848 eine neue Verordnung auszulassen für das Zusammenstellen einer neuen Einheit der Nationalgarde aus 1200 Freiwilligen. Aufgrund der Anwesenheit der in Großwardein aufgestellten Militäreinheiten wurde die Sachlage für die hiesigen Bewohner im Winter 1848-1849 kritisch wegen der immer strengeren Mängel. Die Sachlage wurde noch mehr verschlechtert durch das Eintreffen in die Stadt einer Anzahl Flüchtlinge, die hier Unterkunft suchten.

Nach dem Auszug der kaiserlichen Truppen aus der Burg, wurden hier Anfang 1849 die Waffenwerkstätten verlegt, welche Gewehre, Bajonette und Säbel herstellten, und ebenfalls hier wurde auch ein Munitionslager eingerichtet. Gleichzeitig wurden in anderen Stellen in Großwardein Werkstätten aufgestellt für die Produktion der für die Armee benötigten Artikel: Uniformen, Schuhwerk, Pferdegeschirr, usw. Der Beschluß des Zars Nikolaus I, dem österreichischen Kaiser Franz Josef I behiflich zu sein, um dem revolutionären Aufruhr im Kaisertum ein Ende zu setzen, wird dazu führen, daß am 8. August 1849 in Großwardein die ersten russischen Truppen eintrafen, unter Führung des Kavalleriegenerals Rüdiger. Kurz danach mit anderen Truppen ergänzt, drangen sie weiter nach Arad vor, nicht aber vor der Hinrichtung des Polen Kazimir Rulikowski, der in den letzten Tagen der Revolution die russische Armee wo er als Leutnant gedient hatte, verließ, um zur Seite der ungarischen Revolution umzuwechseln (28. August 1849).

Die Niederlage der Revolution wird von Seiten der österreichischen Behörden noch mehr Unterdrückungsmaßnahmen bewirken: ein Teil der Offiziere der österreichischen Armee, die sich zu der Sache der Revolution gesellt hatten, wurden getötet, und mehrere Dutzend Personen wurden zur Haft verurteilt. Um solch einem Schicksal zu entgehen wählen viele Revolutionäre den Weg des Exils und setzen sich in den verschiedensten Ecken der Welt nieder, aus Kleinasien bis in die Vereinigten Staaten. Gleichzeitig begann die Germanisierungspolitik in allen Bereichen des Soziallebens, welches Vorhaben stark erleichtert wurde dank der bedeutenden Anzahl deutscher Handwerker in der Stadt (übrigens ist die erste Zeitung mit dem Zweck der Wiederherstellung der Ordnung in der Stadt der Polizei-Anzeiger, erschienen in der Zeit vom 2. Januar 1855 – 31. Dezember 1856).

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Gegen Mitte des XIX. Jh. erfolgte auch die Vereinigung der vier kleineren Städte rund um die Burg (Großwardein-Olosig, Großwardein-Orașul Nou/Neustadt, Großwardein-Subcetate/ Stadtmitte und Großwardein-Velența, mit einer Gesamt- bevölkerung in Höhe von 16849 Einwohnern) unter einer einzigen Verwaltung. Es gibt keine offizielle Urkunde in dieser Hinsicht, aber am 4. November ernannten die habsburgischen Behörden Bölönyi Menyhért als alleinigen Bürgermeister. Dieser wird die Stadtverwaltung neu organisieren und zu diesem Zweck mehrere neue Anstalten aufstellen. Unzufrieden mit seinen Leistungen, ersetzen ihn die Österreicher am 25. Juni 1851 mit Csorba János, anerkannt für seine Treue gegenüber dem Kaiserhof und für seine Energie in der Erledigung der Problemen der Stadt.
In der zweiten Jahrhunderthälfte wird Großwardein eine stetige industrielle Entwicklung erleben. Die Einkommensquellen der Stadt kamen aus den Mieten der Lokale und der eigenen Wohnungen, aus Steuern der großen und kleinen Unternehmen, wie auch aus Zollkosten. Verzollungen gab es vier im Jahre 1899: Verzollung für Pflaster, Verzollung für den Jahrmarkt, Verzollung für die Brücke und Verzollung der Floße, welche die Kreisch hinunter segelten.

Demographisch gesehen erfuhr die Bevölkerung der Stadt einen Zuwachs im Laufe des XIX. Jh., von 4 700 Einwohnern in 1814, auf 15 727 in 1823, 28 698 in 1870, 31 324 in 1880 und 40 750 în 1890. Die Steigerung ging weiter auch im folgenden Jahrhundert, sodaß sich die Einwohnerzahl in 1910 auf 64 169, und in 1914 auf 69 949 Personen belief.
In Hinsicht auf den Städtebau konnten über diese gesamte Zeitspanne mehrere Erfolge vermerkt werden. Neue Grünanlagen erschienen, wie der durch die Neugestaltung der Kreischufer angelegte Park in dem jetzigen Libertății-Platz (1890-1892), oder derjenige zwischen dem Fuß der Hügel und der Kreisch, nebem dem heutigem Hotel Continental, eingerichtet auf einem von dem Kanoniker V. Bunyitay in 1908 in seinem Testament zugunsten der Stadt hinterlassenen Gelände. Danach konzentrierte sich das Interesse auf das Problem des öffentlichen Verkehrs und am 7. März 1906 wurden die ersten drei Straßenbahnwagen in Großwardein in Gang gesetzt. Der Bedarf an Trinkwasser für eine ständig anwachsende Bevölkerung wurde erledigt durch das Errichten eines im Januar 1895 in Betrieb gesetzten Wasserwerks zum Filtern des Kreischwassers, und die Aufgabe der öffentlichen Beleuchtung fand eine Teillösung durch das Einführen der elektrischen Beleuchtung ab 1904. Gleichzeitig kommen neue Gebäude in Erscheinung um das Stadtbild zu vervollständigen: der „Schwarze Adler“-Palast, das Bahnhofsgebäude, das Premonstratens-Gymnasium und die Rechtsakademie (z.Z. das Mihai-Eminescu-Lyzeum), die Höhere Realstaatsschule (z.Z. das Emanuil-Gojdu-Lyzeum), der Palast der Post, der Hotel Pannonia (gegenwärtig Transilvania), das Stadtmuseum, die zwei Synagogen, das jetzige Gebäude der Präfektur, der Ullman-Palast, usw.

Das Ausbrechen des ersten Weltkriegs hatte auch für Großwardein unmittelbare Folgen. Am 25. Juli 1914 sollte die Stadt die ersten Momente der Mobilisierung erleben, die in einer euphorischen Stimmung verlief, aber schnell von den ersten Anzeichen des Ausbruchs des großen Weltbrandes gedämpft wurde: plötzlicher Anstieg der Preise der Nahrungsmittel, Einführung von Einschränkungen, usw. Es wurde die städtische Bürgerwehr gegründet, es wurden Versuche für Spendeaktionen zur Unterstützung der Truppen unternommen, es wurden Volksküchen organisiert wo billige Nahrung für die Armen ausgeteilt wurde, es wurde der Verein der Rechten Hand geschaffen im Rahmen der Rote-Kreuz-Gesellschaft zum Zweck der Pflege der Verwundeten. Mehrere Industriezweige schränkten ihre Tätigkeit ein, was zum Anstieg der Arbeitslosenanzahl führte. Die Brotversorgung stellte ein dringendes Problem dar, insbesondere ab 1915, und im Januar des nachfolgenden Jahres wurde es bis auf 300 Gramm Brot pro Person täglich rationiert. Neue Rationierungen von Nahrungsmitteln kommen in 1917 auf der Liste zu stehen: Mehl, Kaffee, Zucker, Kartoffeln, Speck und Schmalz.

mosoiu-patratAm 10. Oktober 1918 vereinte sich der Stadtrat von Großwardein in dem großen Saal des Rathauses um sich zugunsten der Unabhängigkeit von Ungarn zu äußern, aber niemand äußerte nicht einmal ein einziges Wort über das Schicksal der Minderheiten in diesem neuen Staat. Deswegen beschlossen die Anführer der Rumänischen Nationalen Partei, das Exekutivkomitee der Partei einzuberufen für den 12. Oktober. Die Versammlung fand statt in Großwardein im Haus des Dr. Aurel Lazăr und zum Abschluß wurde die Erklärung von Großwardein verfaßt, wodurch für das rumänische Volk „das Recht“ gefordert wird „frei von jeglichem fremden Einfluß selbstständig seine Stellung (seinen Platz) unter den freiein Nationen zu entscheiden, wie auch seine Koordinationsverknüpfung zu den anderen freien Nationen zu bestimmen“. Kein Widerstand konnte das große Ereignis vom 1. Dezember 1918 in Alba Iulia/Karlsburg anhalten, wo doch die dort getroffenen Entscheidungen eigentlich schon viel im Voraus von dem Feingefühl der Presse in Großwardein erraten worden waren.